Krypto-Songs: Hymnen auf den Bitcoin

Ein interessantes Phänomen, das in diesem noch jungen Jahr aufgekommen ist, sind Krypto-Songs: Lieder, in denen verschiedene Kryptowährungen, Investitionsstrategien und – natürlich – die Aussicht auf schnelles Geld besungen werden. Diese sind für den Krypto-Kenner durchaus unterhaltsam. Doch die Lieder sagen auch etwas über die Art und Weise aus, wie derzeit in Kryptowährungen investiert wird.

„Mach aus ‘nem Hunni ‘ne Million, ich will nur noch grün sehen/ Ich geh nur rein, wenn es sich lohnt, kauf mir ‘ne Insel in der Südsee / Kein Fiatgeld in der Tasche, alles auf meinem Wallet / Sie erzählen von Bubble, aber digga wir hodlen / Wir hodlen, wir hodlen, wir hodlen“

So lautet die Hook von Kool Savas aus dem in dieser Woche neu erschienenen Lied mit dem aussagekräftigen Titel „Hodln“:

Der neue Song zeigt: Kryptowährungen sind im Mainstream-HipHop angekommen. Das Feature der Rapper Sido und Kool Savas lässt noch eine Reihe anderer bekannter deutscher Rapper zum Thema Krypto-Invests zu Wort kommen, etwa Frauenarzt, Manny Marc und Felix Krull. Garniert wird die gesangliche Einlage durch eingestreute Zitate von TenX-Founder Julian Hosp, der durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit eine hohe Bekanntheit in der Krypto-Community besitzt.

Inhaltlich decken die acht Strophen alle erdenklichen Aspekte ab, die dem interessierten Beobachter beim Thema Kryptowährungen durch den Kopf gehen. Neben zahlreichen Anspielungen auf verschiedene Coins dürfen auch Schlagworte wie Fork, ICO, Bubble, Referral-Link, Wallet und natürlich Blockchain nicht fehlen. Dabei wird wie selbstverständlich mit gängigen Klischees gespielt. Formulierungen wie „To The Moon“ oder „Mach ein paar Millionen“ schüren die Erwartungen der Investoren, insbesondere derer, die sich bisher wenig bis gar nicht mit der Technologie hinter dem Use-Case Kryptowährungen auseinandergesetzt haben.

Ist der Song„Hodln“ im Rahmen des aktuellen Hypes der erste seiner Art im deutschsprachigen Raum, gibt es im angloamerikanischen Raum bereits mehrere vergleichbare Lieder, die die Akzeptanz und Bekanntheit von Kryptowährungen in der Gesellschaft pushen und zum Einstieg in das Investieren animieren. Ein beliebtes und sehr plakatives Beispiel für die Art der Krypto-Romantik ist der Song „Lambo Land“ der Gruppe teamHODL, der in einem sehr ähnlichen Tenor wie das deutsche Gegenstück gehalten ist:

Noch verrückter wird es, wenn man nach Japan schaut. Dort hat sich seit Kurzem eine Girl-Band mit dem Namen Kasotsuka Shojo formiert – übersetzt heißt das in etwa „Virtuelle Währungen Mädchen“. Getreu ihrem Bandnamen repräsentieren die acht Mädchen jeweils eine Kryptowährung, neben Bitcoin unter anderem Ethereum, Ripple, Monero und Cardano.

Die Girlband erfreut sich bereits einer hohen Popularität, Japan stellt seit der krypto-feindlichen Regulierung in China immerhin den größten Markt für Kryptowährungen. Inhaltlich scheinen die Mädels in eine ähnliche Richtung zu gehen wie die anderen beschriebenen Bands: Ihr erster Song trägt den Titel „Der Mond und virtuelle Währungen und Ich“.

Das Aufkommen der Thematik Kryptowährungen in der Populärkultur spiegelt natürlich zum einen wunderbar die gesteigerte Relevanz der Blockchain-Anwendung in Wirtschaft und Gesellschaft wieder. Zum anderen wird hier jedoch auch ersichtlich, wie der aktuelle Hype das Investieren in Kryptowährungen verändert. Der Fokus auf schnellem und möglichst einfach verdientem Geld hat längst die Idee eines dezentralen Bezahlsystems überlagert. Dies erklärt den Anstieg, jedoch auch die hohe Volatilität und vor allem Nervosität, die sich in den empfindlichen Reaktionen auf externe Faktoren zeigt. Exemplarisch dafür kann auch eine Line von Frauenarzt gesehen werden:

„Hab kein Plan von Kryptografie, aber cashe die Coins ein, Kleptomanie“

BTC-ECHO